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Durch das Tal der"Geier" in das Tal des Regenbogenknoten®

Zum zweiten mal in meiner langjährigen Reisepraxis war ich so früh (in unserer Zeitrechnung) bzw. so spät, kurz vor dem Nouruz-Fest im Süden des Iran um meine Kontroll- und Inspektionsarbeiten vor Ort wahrzunehmen, um dabei die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu festigen und die Suchenach immer neuen Bodenschätzen© und Findlingen® fortzusetzen. In Deutschland herrschte Frühlingswetter - aus Teheran hatte mich die Nachricht erreicht, es ist noch Wintertime!!!! - entsprechend war meine Koffer gepackt. Natürlich Wintersachen eingepackt - völlig falsch.Schon auf dem Hinflug gab es wieder Überraschungen - positiv, wie so oft in den letzten Jahren. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, wurde doch im Video erneut ein Film über eine Iranische Frauentanzgruppe aus Azerbeidjan gezeigt, die ähnlich wie die Irischen Tänzer auftraten, in ungeahnten guten Kostümen und einer Haarbedeckung, zu der man kaum noch Shador sagen konnte. Positive Signale auf der ganzen Linie. Das wäre mal etwas für den DOMOTEXABEND - Orient 2002 Life. Ein freundliches Lächeln beim Check-In in Teheran wurde ebenso freundlich erwidert. Schön so.Und wir waren eine Stunde schneller in Teheran - Direktflug geradeaus über Belgrad hinweg, ohne Umweg
Also, endlich einmal Zeit, wenigstens einige Stunden Schlaf zu bekommen. 05.00 Uhr aufstehen eine der wichtigsten Regeln in meiner langen Reisepraxis.
06.40 Uhr ein ruhiger Flug nach Shiraz - eins muss man den Flugpiloten ja lassen, landen können die Jungs, perfekt.Nichts ist so gut, das man es nicht noch
besser machen könnte, denn bei einer so intensiven Arbeit vor Ort muss auch manchmal die Organisationsstruktur verbesserst werden.

Jetzt, unmittelbar vor dem Neujahrsfest (Nouruz) werden die meisten Knüpfstühle frei und bei der großen Menge an Findlingen und Bodenschätzen die wir in Auftrag haben ist es zwingend notwendig, die Stühle zum richtigen Zeitpunkt zu belegen.Und natürlich sollten auf dieser Reise alle Vorbereitungen für einen kleinen CONSULATSCONGRESS im Mai gelegt werden, den uns weit in die Berge zu unseren Wandernomaden führen wird. Jetzt galt es die Spurenzu sichern,damit wir Anfang Mai auf der richtigen Fährte fahren können, denn das neue Schlagwort "BLACK TEND®" als geschützter Markenbegriff ist Grundlage für die Mai-Reise.16 Grad Nachmittagstemperaturen fühlten sich wie 25 Grad und als Nordeuropäer hatte ich natürlich doch ein wenig damit zu kämpfen, oder sind das gar die ersten Alterserscheinungen.Im Basislager war eine große Menge unserer Orderware vom Vorjahr eingetroffen und konnte so einer strengen und gewissenhaften Kontrolle unterzogen werden. Feststellung - alles ist gut, Qualität, Farben, Knüpfung, Dessinierung bewegen sich genau im Freiraum, den wir unseren Nomaden ja bewusst geben.10 Jahre intensive Produktentwicklung und Pflege bei fairer, partnerschaftlicher Zusammenarbeit und mittlerweile Freundschaft bis zur einzelnen Knüpferinist die beste Mitgift in diesem Geschäft. Nach getaner Arbeit - es war der Vorabend des Revolutionstages - habe ich noch zwei gute Bekannte auf dem
Basar besucht, denn zu schnüffeln gibt es ja immer etwas und die Lieben daheim wollen ja auch versorgt sein. Schön, dass diese Freunde sich guter Gesundheit erfreuen.Ansonsten zeigte der Basar deutlich, dass der Tourismus sich wieder belebt. Viele Bleichgesichter und auffällige Frauen waren sofort sichtbar.Immer wieder von besonderer Anmut ist der Shiraz-Basar, wenngleich das Teppichherz hier nicht bedient wird.

Die Zitadelle KARIM-KHAN - nach KARIM haben wir unsere Erfolgsqualität KARIMHALI(C) benannt ist weitgehend renoviert und eine Augenweide.Gerade dieser Qualität, die wir durch alle Wirren seit 1992 unverändert positiv und erfolgreich im Markt verteidigen gilt der 1.Teil dieser Reise, die an am nächsten Tag einen halben Tag weiter geführt hat. Auch hier hieß es wieder 05.00 Uhr aufstehen.
Richtung Süden ging es. Kaum 25 Kilometer hinter Shiraz, nach Passage des ersten Passes blühte und grünte es plötzlich, völlig unterwartet schon in einer Farbenpracht, dass es sofort auf das Bild gebannt werden musste, denn hier fand ich genaue die hübscheste Trendfarbe der Coloration 2003, herausgegebenvom Trevira, die ja für Wohntextilien jährlich neu herausgegeben werden. Schade, dass meine Zeit für diesen Besuch zu knapp bemessen war, ich hätte sicherlich mindestens 2 Naturtage benötigt.
Kurz hinter der nächsten Biegung kam die nächste Überraschung - eine Farbbrillianz von Mutter Natur, die wiederum exakt der neuen Trendrichtung entspricht.
Auch hier sofort die Kamera, Dia und Digital, denn noch im Iran musste das THEMA bearbeitet werden.Nach gut 2 Stunden Fahrt traf ich meine Freunde wieder vom Stamm der Ghasghais und Kashkulis. Hier hatte ich im Sommer den ersten Schritt zu einer eigenen CLASSICAT(R)-Kollektion (eingetragener und geschützter Begriff) in die Wege geleitet. Nachdem der FRÜHLING Einzug gehalten hatte, waren auch schon die ersten Schmetterlinge unterwegs und für das neue Highlight der Kollektion war der Name gefunden "im Garten der Schmetterlinge".
Der erste Teppich aus der neuen Serie war rechtzeitig zur Domotex fertig und bekam gleich auch den besten Titel: Das TOR ZUM PARADIES.
Dieses Classicat - basierend auf dem althergebrachten Muster - wird in traditionellem Dessin und besten Farben aber in neuer Knüpfung von meinen Freundinnen produziert, die somit authentisch echte Kashkuli-Muster produzieren können. Ein wenig klopfte mein Herz schon, als ich die ersten Stücke in der Entstehung sah - die Spannung hält an, denn im Sommer wird die Kollektion fertig sein.Der Erfolg der neuen Regenbogenknoten-Kollektion HALI-KHAN zeigt, dass hier wieder einmal der beste Beitrag in unserer partnerschaftlichen Organisation geleistet werden kann. Hilfe zur Selbsthilfe unserer Freude.Der Winter in dieser Region war erneut nicht gut und es hat nur vorübergehend ausreichend Wasser gegeben, so dass die Felder der halbsesshaften
Nomaden gut bestellt werden konnten. Die Saat war bereits aufgegangen und auch die ersten Reisfelder strahlten in sommerlichem grün. So hoffen unsere Freunde auf zusätzlichen Regen und die Knüpferinnen freuen sich wieder darauf, für unsere Arbeitsgruppe tätig sein zu dürfen. Sie liefern den Beweisder Authentizität - gegen alle Orgie an Betrug. Nach einer guten und tiefen Nacht ging es weiter Richtung Süden. Der nächste Pass musste erst einmal genommen werden - Schnee soweit das Auge reichte .
Wir waren auf etwa 2000 m Höhe angekommen, als auch hier Frühlingserwachen herrschte. Allerdings der Schein trug, denn in den vergangenen Monaten hatte es in dieser Gegend nur rd. 110 mm geregnet ( das regnet es bei uns oft an manchen Einzeltag) und so steht zu befürchten, dass nach dem schlechten Winter die Nomaden und ihre Herden wieder große Probleme bekommen. Das wäre bereits das 3. Jahr, in dem die Saat kurz nach dem Norouz-Festvertrocknet und zu Missernten führt. Darunter leiden natürlich auch die Schafe und so schließt sich der Kreis der Abhängigkeit wieder.
Also wird man auch zu Beginn des Neuen Jahres zügig aufbrechen, um im Norden auf saftige Flächen zu hoffen - vergeblich??Während der Fahrt passierten wir auch das Sommerlager einer uns befreundeten Sippe - im vergangenen Sommer war die Quelle in den Bergen versiegt - so war der See ausgetrocknet bis auf eine Pfütze und Abertausende von Fischen der Trockenheit zum Opfer gefallen. Aber die Befürchtungen haben sich zerschlagen. In dieser Region hat es kräftig und heftig, leider nicht andauernd geregnet und so konnte der See wieder Wasser schöpfen und so besteht die Hoffnung, dass wenigstens bis zum Ende des Sommerlagers der Wasservorrat hält.Ob unsere Nomaden den Platz allerdings wieder aufsuchen bleibt abzuwarten, denn diese Reise hat doch Wehmut aufkommen lassen - die Wanderung neigt sich weiter dem Ende zu.Wir waren gut 10 Tagesreisen (Kamel oder Dromedartage) von Shiraz entfernt. Die Regierung (aus nachvollziehbaren, wenn auch nicht verständlichenGründen) hat es in solchen Situationen natürlich leichter, die wandernden Nomaden - die Zahl wird immer noch auf rund 200.000 geschätzt, zum
Sesshaftwerden zu bewegen. Bei uns würde man von sozialem Wohnungsbau reden - hier sind es aber Steinbehausungen, 2 Zimmer mit TÜR UND Fenster, mehr nicht. Man lebt wie bisher im Zelt nur hat man ein festes Dach über dem Kopf, die Knüpfstühle stehen aber in den RÄUMEN gekocht wird außerhalbwie eh und je und von Erleichterung kann man kaum reden. So ist man gezwungen, sich den Gegebenheit vor Ort auszusetzen und kann nicht mehr ausweichen.
Ein Stamm der großen Ghasghai-Familie, die fast am persischen Golf leben ist von der Negativentwicklung besonders betroffen. Im vergangenen Jahr noch auf der Wanderung hat man im Herbst beschlossen ein 1 Zimmerhaus zu bauen. Das Haus steht genau an der Grenze zwischen Bewirtschaftung und Nomadenweideland. Schon haben über diesen Winter 3 weitere Familien die Wanderung aufgegeben und wenn es dann 10 Häuser sind kommt der Staat, legt Elektrizität, Wasser
und Telefon. Das ist dann wirklich das Ende. Das bisherige Wanderzelt dient als Hühner- Ziegen oder Vorratsstall. Wenigsten konnten wir auch diesen
Familien jeweils 1 Teppich in Auftrag geben, mit denen man begonnen hatte.

Wie können wir unsere partnerschaftliche Organisation vor Ort hier ausbauen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten? Meine persönlichen Freunde Hadjji, Reza und
Hamid haben hier erneut ein Kunststück fertiggebracht. Das, was früher als DJIJIM gefertigt wurde, als schmale Streifen zusammengenäht, wird jetzt in
mühevoller Handarbeit auch auf großen Stühlen in einer überraschenden Webtechnik produziert. Ein Knüpfbaum hält die Kette hoch, die 4 Schäfte in je 3 Unterbereichen
verteilt ist. So wird durch die Kombination von Schaftmusterung durch die Wechselkette und Handeintrag des Schusses eine so interessante Musterung
erzielt, die sicherlich als bald eine ganze Reihe neuer Liebhaber finden wird. Für mich wurde diese Qualität auf NIRA(R) getauft und wir haben vor Ort
neue Dinge besprochen.
Während des Aufenthaltes wurde mir bewusst, dass es hier ganz wenige Sekunden vor Zwölf (wenn nicht schon nach zwölf) ist. Bis noch vor wenigen Jahren
wurden Djijim auch in einer 8schäftigen Bindung gewebt, die jedoch keine Käufer mehr gefunden hat, wie so viele hiesige Produkte, weil alles auf dem Alter
der Masse geopfert wurde.
Meinen persönlichen Freunden ist es auch hier zu verdanken, etwas zur Rettung und zum Unterhalt beizutragen. Durch die Zurverfügungstellung von neuen
Webstühlen und der richtigen Wolle in den richtigen Farben, haben in ganz kurzer Zeit die Nomaden wenigstens durch die Produktion der Webstücke wieder
ein wenig Einkommen und sind stolz darauf, mit uns Kontakt zu haben.
Gemeinsam sind wir so verblieben, dass wir die alten Djijim mit 8-Schaftbindung wieder heraussuchen und dann mit den alten Frauen versuchen, die Rückbesinnung zu schaffen. Da dies niemals ein Massenartikel werden wird - und werden kann, habe ich auch keine Scheu, dieses Thema etwas breiter zu behandeln, denn
was keine Menge bringt macht Gott sei Dank vielen keinen Spaß.Wenn auf meinem Kalender nicht der 12. Februar gestanden hätte, wäre ich davon
ausgegangen, dass wir mitten im Juni wären, 24 Grad, Lebensweise wie auf den Sommerplätzen und den Dörfern. Nur eben in der Südgegend, aus der viele Familien
dann nach dem Nouruzfest aufbrechen und wir diese im Mai dann in den Bergen wiedertreffen werden.
Unsere Oktober-Aufträge waren auf den Stühlen und viele Stücke bereits fertig. Die freie Hand der Nomaden brachte es wieder an den Tag - gleiche Linie,
aber Stück für Stück ein Unikat. Unverwechselbar KARIMHALI.

Innerhalb der Planung "Black Tend®" soll eine völlig neue moderne Design-Linie entstehen, die wir mit unserer Knüpftruppe vorbesprochen hatten. Und der Ansatz verspricht viel. Was ich gesehen habe, lässt mich hoffen, einen großen Wurf zu schaffen, gerade richtig für die Handelsfirmen, die sich um Modethemen kümmern.
Also, SARI(C) unsere neue Qualität steht in den Startlöchern.
Auf dem weiteren Weg waren viel Abhänge abgerutscht und wir hatten Glück, unseren Weg überhaupt fortsetzen zu können.

Was bewegt Menschen, sich in dieser Gegend aufzuhalten oder gar niederzulassen wird mir immer ein Rätsel bleiben. Sicher waren mal die Kadscharenfürsten ausschlaggebend und haben erste Ansiedlungen vorgenommen.
Und wie es Sitte ist wurde für das Mittagsmahl alles aufgetischt, was man sich nur vorstellen konnte - Entschädigung können wir nur dadurch leisten,
dass wir auch weiterhin mit unseren Aufträgen einen guten Beitrag als Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Und eins haben wir uns abgewöhnt, über Preise zu
diskutieren. Für gute Arbeit gibt es immer einen kleinen Zusatzlohn, mündliche Ermunterung so weiterzumachen und wir werden durch die schönsten Unikate entlohnt. Wer sich an diesem System nicht beteiligt, vergibt sich große Marktchancen. Hier im Ursprungsland der Gabbeh-Teppiche lebt die Knüpftradition in unseren
Qualitäten KARIMHALI(C) und SARI(C) weiter - wir haben den Begriff Gabbeh lange aufgegeben, denn Gabbeh-Teppiche sind wirklich OUT, nachdem
wir diese ja selbst miteinander über den Umweg Indien kaputtgemacht haben. Ähnliches versucht der Markt ja gerade wieder mit dem Begriff Luribaft/Rizbaft.
Man wird es zwar erreichen, dass auch dieser Begriff über die Masse in der Gunst der Verbraucher abgewürgt wird, uns kann es nicht betreffen, wir gehen grundsätzlich
einen anderen Weg. Erneut habe ich meinen Nomaden die Zusage gegeben, mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln, Ihnen bei der
Lebensbewältigung durch immer neue Ideen zu helfen.

Nach einem guten Tee gingen hier Freunde auseinander und wir machten uns auf den Rückweg - konnten dabei das wohl schönste und fruchtbarste
Winterlager einer anderen Sippe besuchen und hier zeigte sich der Garten Eden von seiner schönsten Seite. Ausreichend Wasser, gute Böden, Dattelpalmen, Reisfelder und die Möglichkeit zum wirtschaftlichen Anbau vieler lebensnotwendiger Produkte. Die meisten Bewohner dieses Winterlagers haben die Wanderung aufgegeben. Die Männer kümmern sich um die Viehzucht und die Landwirtschaft, während die Frauen sich um eine kleine Produktion Bodenschätze bemühen. Ein Teil der Familie geht nach dem Nouruz-Fest aber auf die Wanderung und setzt so die Tradition fort, denn die Sommer werden selbst für diese Menschen unerträglich heiß.
Auf der Rückfahrt sahen wir dann etliche Nomadencamps - die den Winter in dieser freundlicheren Region verbringen, bevor es nach dem Nouruz-Fest auch
hier wieder Richtung Norden auf die Wanderung geht. Wir näherten uns mit der gebührenden Freundlichkeit dem Lager und durften zutreten. Eine
Besonderheit war hier der Schafkral - die Schafe waren unterwegs und auf der Wiese war soeben der Knüpfrahmen für einen klassischen, einfachen Djijim aufgestellt.
Natürlich können wir nicht alle Nomaden in unsere Partnerschaftliche Organisation einbinden und so konnten wir hier deutlich sehen, was ohne Hilfe
gemacht wird. Chemie-Farben sind dann eine Selbstverständlichkeit und die Farbfreude der Nomaden schlägt durch und macht viele Produkte für uns unverkäuflich. TROTZDEM wird für den Basarbereich produziert. Natürlich werden rustikale Gabbehs produziert, und keiner der Nomaden,
die in der Einsamkeit ihr Leben lieben, kann verstehen, was in Europa mit "MEINEM TEPPICH" passiert ist, warum wir dieses Produkt mit aller Gewalt
kaputt gemachthaben. Sie produzieren also in sehr rustikaler Form weiter - so wie sie es gewohnt waren - aber für den hiesigen Markt völlig falsch,
sowohl was die Farben als auch die Muster angeht. Ohne Hilfe (nicht allen kann man helfen) sind diese Menschen aber völlig auf sich allein gestellt. Es
tut den verantwortlich handelnden Menschen leid, mit ansehen zu müssen,
wie der Lebensunterhalt, den man sich mit der Gabbeh-Produktion geschaffen hatte, vernichtet ist.
Mit ein wenig Wehmut habe ich diese Gegend verlassen, allerdings durchaus mit einem ruhigen Gewissen, weil ich zusammen mit meinen Freunden und
Kollegen in ganz vielen Bereichen gute Arbeit im Sinne der dort lebenden Nomaden leiste. Wann immer sich eine Gelegenheit bietet, auch diesen "Vergessenen" zu helfen, werde ich mit der Erste sein, der dort Hilfe zur Selbsthilfe leistet.
Bei der Rückkehr am Abend wurden wir durch ein Lichtermeer daran erinnert, dass ja der Jahrestag der Revolution war. Freunde im Iran - lasst es weiter so LANGSAM positiv weitergehen, dann geht der Weg in eine gute Zukunft.
Daheim ist Rosenmontag. Schach matt und übermüdet bin ich an diesem Abend in einen tiefen Schlaf gefallen.
Nach einer guten und ausreichenden Nachtruhe war schon wieder der letzte Tag im Fars angebrochen, der uns zu einer weiteren Sippe führen sollte, die sich um die Neuentwicklung unsere "BLACKTEND(R)" Kollektion bemüht und noch einmal eine Qualitätsverbesserung vorgenommen hat. Dünneres Garn, dadurch ein toller Griff. Und das alles natürlich aus handversponnener Winterwolle der Schafe des Zagros-Gebirges, absolut und 100% Pflanzenfarben. It´s authentic-Carpet im Sinne unserer guten Kunden und für den Erfolg der Kollegen in der Arbeitsgemeinschaft.

Man soll die eigenen Erwartungen nie zu hoch stecken, denn dann ist die Enttäuschung umso größer. Und genau das ist an diesem Tag passiert. Verwöhntvon den Kreationen unserer Nomadenfreunde und die sich stetig verbessernde Gesamtstruktur ließ die Erwartung steigen.Aber meine, von Anfang an vertretene These, dass nur bei engem Kontakt zur Natur und einer wie auch immer gearteten Wanderung, der Ideenreichtum unerschöpflich bleibt und die Umsetzung der Ideen zur Perfektion kommt, wurde diese These hier bestätigt. Das erste von uns besuchte Dorf war mit einem
kleinen Projekt beschäftigt - dies wurde sofort gestoppt, weil die hier lebenden Menschen die Wanderung vor ganz langer Zeit aufgegeben haben und die Verstädterung weit vorgedrungen ist. Das, was das Leben hier erleichtert führte uns sofort vor Augen, worin für unsere Produkte die Gefahr für die Zukunft
liegen wird. Hier Menschen verlieren hier die Fähigkeit zur Kreation und Interpretation, sie können nur noch umsetzen bei korrekten Vorlagen - das gerade ist
nicht unsere Arbeit.
Aber Gott sei Dank ist das Land so groß und die Zahl der Halbnomaden und Sesshaften uns wohlgesonnen, ganz abgesehen von unseren Vollnomaden,
die wir
aus Zeitgründen auf dieser Reise nicht besuchen konnten, weil Sie an unerreichbaren Plätzen den Winter verbringen.Aber unsere Halbnomaden konnten wir erreichen. Die Sesshaftwerdung vollzieht sich langsam aber stetig. Der Vollnomade ist auf einer ständigen Wanderung und nimmt all seinen Hausstand mit sich. Der Halbnomade hat zumindest im Winterquartier eine Steinbehausung um den doch auch hier
vorhandenen Unbilden der Witterung entfliehen zu können, hat aber sein Wanderzelt auch im Winterlagen aufgestellt. Mit dem Nouruz-Fest wird dann der für das Sommerlager notwendige Hausrat gepackt und los geht es. Je weiter der Nomade sesshafte Argumente annimmt, so kürzer sind die Wanderungen. 15 Kilometer bei
kurzen und bis zu 500-600 Km bei langen Strecken.Wir konnten an diesem Tag eine Fülle von Teppichen finden , die der Fertigstellung entgegensehen. Neue Kontakte konnten wir zu Arabischen sprechenden Familien knüpfen, die sich deutlich von den Ghasghais und Luren unterscheiden. Zwar sprechen diese Menschen die offizielle Landessprache Farsi, doch privat und in den Familien sprechen sie ausschließlich einen arabischen Dialekt und so war die Kontaktpflege nicht leichter. Aber auch diese Menschen haben die Fähigkeit, Kreativität und Perfektion in Verbindung zu bringen. Die zuvor beschriebene These und Situation wurde deutlich gestärkt.

Der Tag war nicht ungefährlich, weil die Haus- und Hofhundes es mehr als zuvor auf uns abgesehen hatten.Entschädigt wurden wir hier durch viele neue Stücke,die den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft im September zum nächsten großen Congress in Hamburg präsentiert werden. Der Teil, der bis Mai fertig ist, wird schon in den Bergen gezeigt werden können.Und noch ein Umstand bringt unsere Produktlinien und Ideen in weitere Gefahr. Der Staat baut mehr und mehr Flächen aus, auf denen Agrikultur betrieben wird. Riesige, parzellierte Rebflächen wachsen von Besuch zu Besuch und neuerdings riesige Flächen mit Olivenbäumen, weil das Klima hier im Süden besonders dafür geeignet ist. Sobald die Reben und Pflanzen angewachsen sind, wird das Land verkauft, vorzugsweise an Wandernomaden. Preis für 1000 qm, 1000 Dollar. Sind
es gute Jahre und die Schafe und Ziegen sind gut gewachsen, ist das Geld beisammen und dann lockt die Versuchung.Ich bin gespannt auf die nächste Reise im Mai, die uns zu unseren Wandernomaden führen wird, wie viel Familien nicht mehr anwesend sind. Bereits im letzten Jahr waren 3 große Lagerweiden nicht mehr von Nomaden besucht.
Das hat natürlich Auswirkungen auf unsere Arbeit und so werden wir wohl ein Projekt zur Besserstellung der Nomaden in der Gesellschaft einleiten müssen, um wenigsten unseren Beitrag zu leisten, damit uns nicht alle Nomaden verloren gehen.Zwar haben wir ausreichend Kontakte zu Halbnomaden und Seehaften, die sicherlich den Löwenanteil an der Produktion haben, doch mindesten der Berichtverfasser selbst, wird alles persönlich dafür tun, dass uns Wandernomaden erhalten bleiben, solange es eben geht.Auf der Rückfahrt - es waren auch heute wieder 22 Grad - konnten wir den Fortschritt des Frühjahrs begutachten. Die Reis- und Weizenfelder sind bestellt. Hier hat es genug geregnet.

Dunkle Wolken am Himmel ließen die Vermutung zu, dass es in Shiraz oder den Bergen stark regnen musste. Bei der Einfahrt nach Shiraz konnten wir noch die Spuren eines gewaltigen Unwetters am Fluss sehen, wo viele Brücken verstört waren und die Aufräum- und Sicherungsarbeiten noch in vollem Gange waren. Baer so schnell wie das Wasser gekommen ist, so schnell ist es leider auch wieder verschwunden.
Im Hotel zurück lag eine dringende Rückrufnachricht in meinem Zimmer. Meine Lieben daheim waren in voller Aufregung und Sorge um Mann, Vater und nun auch Großvater. In den frühen Morgenstunden war eine Russische Tupolew-Maschine mit 150 Menschen an Bord abgestürzt. Keine Überlebenden.

Da meine vielen Reisen (es war die 20. Iranreise) liegt die REISEROUTE nie genau fest. Zwar war man in gewisser Weise noch beruhigt, da mein letzter Anruf ja aus Shiraz gekommen war ich aber keine genaue Informationen gegeben hatte, (konnte), wie die nächsten Tage genau verlaufen. Und da mich meine Reise ja auch in den Nordwesten führen sollte, lag die Vermutung nahe, es mir schlimmeres passiert. Beruhigend war deshalb mein sofortiger Rückruf zu Hause. So sehr ich ja das Mobil-Telefon verfluche, weil man kaum noch zur Ruhe kommt, bei solchen Situationen wäre der Mensch aber froh, wenn es dann doch im Iran funktionieren würde.
Aber es hat keine Probleme geben. Mit dem heutigen Tag endet schon wieder meine Mission in Fars und den angrenzenden Provinzen und der Rückweg wird eingeschlagen.Am nächsten Morgen ging es zurück nach Teheran, wo in unserer Basis-Station im Lager unserer Freunde mit der Kontrolle und Prüfung der Fertigware die Arbeit fortgesetzt wurde.Mit ganz wenigen Ausnahmen waren alle Stücke wahre " BODENSCHÄTZE©" und die Anschlussfirmen können sich über Qualitäten freuen, die immer das berühmte Quäntchen besser sind als Normalware. Der Donnerstag stand im Zeichen einer ganz neuen Reise - wir bleiben im Zagros - über die Orte und Menschen werden auch hier keine näheren Angaben gemacht, sonst sind uns die Hyänen schon wieder auf den Fährten.

Am Airport wollte ich eigentlich umdrehen, statt der geplanten Fokker stand ein Ungetüm auf dem Rollfeld - eine umgebaute Frachtmaschine - es ist Hadj-Zeit -
und so mussten wir wohl oder übel in dieses Monstrum einsteigen, obwohl tags zuvor erst eine Tupolev mit 117 Insassen abgestürzt war. Aber getreu dem Motto, alles was Flügel hat kann fliegen vertrauten wir uns der Crew an.Ein junger Stuart - er sprach perfekt Deutsch hatte mich natürlich sofort ausgemacht und war froh, endlich einmal seine Sprachkenntnisse anwenden zu können. Wörtlich sprach er von guten Technikern aber Maschine ist Schei.. und so hoben wir ab in die Luft zu einem kurzen Flug in die schneebedeckten.Hier war die Grundlage für ein neues Projekt gelegt - ebenfalls unter dem Hintergrund der Partnerschaftlichen Organisation vor Ort - Hilfe zur Selbsthilfe.
Kontakte zu befreundeten Familien hatten uns aufmerksam gemacht, dass es eine Gruppe von Familien gibt, die weit verstreut leben, als sesshafte Völker, die
kaum noch in der Lage waren, aus den Knüpferzeugnissen ein einigermaßen verlässliches Einkommen zu erwirtschaften. Aber diese seien in der Lage allerfeinste Knüpfungen herzustellen, wenn sie nur richtig betreut wurden. Also war Vorarbeit geleistet und das was ich zu sehen bekam, ließ mein Herz höher schlagen.Es geht eben doch auch anders - nicht nur immer schlechter - sondern in freundschaftlicher Kooperation entsteht hier derzeit eine Kollektion, die wir im Herbst 2002 präsentieren werden.Auf der Fahrt zu den neuen Knüpfstädten passierten wir einige Pässe und konnten so auch in dieser unwirtlichen Gegend Geschlags (Winterlager) entdecken , in dem sich die Familie auf das Nouruz-Fest vorbereiten. Immer noch bleibt es mir unerklärlich, was diese Menschen bewegt, sich in dieser kalten Gegend im Winter aufzuhalten.

Diese Reise war von einem guten Zeichen begleitet. Der aufmerksame Leser wird ja festgestellt haben, dass die Arbeit unserer Gemeinschaft die REGENBOGENKNOTEN®-Collection zum Inhalt hat. Dieses Markenlogo war einmal während einer Reise im Süden entstanden, als wir nach einem plötzlichen Gewitter den Regenbogen sahen.

Und so kamen wir nach gut 3 Stunden Fahrt in ein erstes Dorf und besuchten eine Familie, die mit der Produktion unserer neuen Qualität ILKHAN®-HALI beschäftigt war. Vor Jahren haben diese Menschen die Wanderung aufgegeben und sich niedergelassen - nur das was wir hier gesehen haben ist schon sehr betrüblich. Einstmals freie Menschen, die in Gottes freier Natur unterwegs waren sind diese Behausungen teilweise 1 Raum-Häuser in denen dann noch ein Knüpfstuhl steht, um den Lebensunterhalt aufzubessern . Mit jungen Leuten, mit denen wir ins Gespräch kamen wurde uns die Landflucht noch einmal deutlich bestätigt. "Was sollen wir hier - hier ist am Abend alles dicht - wir können nicht mit Freunden irgendwo hin, also sind wir nach Teheran gegangen, dort geht es uns besser" und das geht Millionen von jungen Menschen so und hier liegt der Sprengstoff für dieses Land.
Als wir das Haus verließen zeigte sich uns auch hier ein Regenbogen, den wir als guten Zeichen für das neue Projekt werten.Wir haben an diesem Tag mehr als 20 Familien besuchen können und sind mit ganz großer Hoffnung auf wieder einmal neue Erfolge auf die Rückfahrt gegangen. Nach einigen Stunden Rückfahrt kamen wir am Spätabend in einem Dorf an, wo wir im örtlichen Hotel übernachten konnten. Der Rückflug am nächsten Tag musste wieder mit dem Ungetüm von Flugapparat erfolgen und wir landeten gesund und wohlbehalten in Teheran. Diese Reise war von 4 Dingen geprägt.

1. Die in einer langjährigen Zusammenarbeit bestehenden bestehende Partnerschaftliche Organisation konnte weiter gefestigt und ausgebaut werden.
2. Die Nomadenfamilien, die mit der Produktion unserer BODENSCHÄTZE® beschäftigt sind, haben eine sehr gute Arbeit geleistet und so können wir den
Firmen unserer Gemeinschaft eine neue tolle Kollektion an Hand geben, um die nicht gerade rosigen Geschäftszeiten mit Erfolg zu meistern, abseits aller
Massenware.
3. Die Irritationen die durch die sich auf der Lauer befindlichen "Geier" ergeben haben und uns im Herbst doch Probleme gemacht haben sind durch neue
Kontakte und noch bessere Knüpferinnen ersetzt worden. Die "Geier" haben ihr Ziel nicht erreicht, sondern in uns noch mehr an Willen hervorgerufen, immer die berühmte Nasenlänge voraus zu sein.
4. Das neue Projekt "ILKHAN-HALI®" hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Hier entstehen die Klassiker von Morgen und das wird unsere Internationale Gemeinschaft noch weiter stärken.

Für alle Produkte die innerhalb der Arbeitsgemeinschaft CONSULAT DES TEPPICHS®" angeboten werden können wir den Nachweis bis zur Knüpferin des Produktes und an den Knüpfstuhl liefern. Und das kann keine andere Gruppierung oder anderes Unternehmen am Markt leisten.
Die Förderung der kreativen Arbeit unserer Nomaden, die gleichzeitige Begrenzung der Produktionsmengen, die sorgsame Fertigung, entsprechend den uralten Traditionen, machen sich für alle Beteiligten bezahlt. So konnte ich getrost den Heimweg antreten.