.............wie Lilien auf den Felde unsere Nomaden
im Fars.
Nach vielfachen Problemen bei der Visabeschaffung brachen
wir am 26. April zu einer neuen Iran-Tour auf. Nach einem
letzten kühlen Bier ging es gegen 15.00 Uhr mit der
IRAN-AIR los. Nach gut 5 Stunden Flug landete die Maschine
sanft auf dem Airport Teheran und der Check In verlief
problemlos.Natürlich waren wir sofort umringt von
vielen Interessenten, die sich nach unserer Herkunft und
unserem Reisezweck erkundigten, sich mit unseren Erklärungen
aber schnell zufrieden gaben.Da wir 6 Stunden Zeit zu
überbrücken hatten, verbrachten wir die ersten
Stunden damit, auf dem Internationalen Airport dem bunten
Treiben während der Nacht zuzuschauen. Nach einigen
wohlbekommenden Tee´s machten wir uns dann zu Fuß
auf den Weg zum nationalen Airport, der nur gut 5 Minuten
entfernt liegt und bei wenig Gepäck auch ohne Taxi
angesteuert werden kann.Manch ein Nachtmensch wunderte
sich über die Gestalten, die mitten in der Nacht
mit Ihrem Gepäck auf dem Weg waren ungewöhnlich.Ein
erster Check beim nationalen Airport und wir hatten weitere
2 Stunden Zeit, uns die Beine zu vertreten und auf den
Flug vorzubereiten. Alles verlieg glatt und um 5.15 Uhr
startete unsere Maschine in Richtung Shiraz, wo wir von
guten Freunden im Empfang genommen wurden.
Zunächst hatten wir schon im Vorwege erfahren, dass
unsere Standard-Hotel, das Homa durch Touristen
belegt sei, die sich in großen Massen derzeit im
Iran aufhalten. Die Liberalisierung hat dem Iran im Jahre
1999 mehr als 1,5 Mio. Touristen beschert und der Strom
schwillt weiter an.Also mussten wir mit einem kleineren
-Sterne-Hotel vorlieb nehmen, was wir aber nicht
sofort belegen konnten, weil die Zimmer noch nicht frei
waren. Also erst einmal ein gutes Frühstück
und dann ein erster Basarbesuch. Der Basar von Shiraz
ist immer wieder ein Erlebnis wert, zumal gerade jetzt
viele Nomadenfrauen den Basar aufsuchen, um Stoffe für
neue Kleidung zu kaufen.Nach dem Besuch ging es zum Lager
unseres Partners Zollanvari wo wir zunächst
wieder einmal eine Bestandsaufnahme zu den Dingen machten,
die im Vorwege besprochen waren.FINDLINGE® des Regenbogenknoten®
waren in Produktion gegeben und wir konnten gemeinsam
die ersten fertigen, aber noch ungewaschenen Teppiche
begutachten und die Qualität und den Warenausfall
prüfen.Unsere Qualitätsvorgaben für die
Produktion waren eingehalten und wir waren mit dem Warenausfall
sehr zufrieden.Weiter ging die Fahrt in ein nahe gelegenes
Nomadencamp, wo wir weitere Stücke, die noch mitten
in der Produktion waren begutachten konnten. Kleinigkeiten
wurden mit den Knüpferinnen besprochen und für
gut geleistete Arbeit übergaben wir Kamm & Schere,
um eine Anerkennung auszusprechen.Nach 36 Stunden fielen
wir in einen Tiefschlag, der jedoch schon früh um
07.00 Uhr beendet war.
Der Höhepunkt unserer Reise stand bevor. Am Abend
zuvor wurde uns durch unsere Freunde noch angedeutet,
dass wir LISA unser Dromedar noch erst suchen
müssten. Grund: Der Winter war ausgesprochen schlecht,
es habe wenig geregnet und die Nomaden hätten sich
frühzeitig auf den Weg gemacht und es sei nicht sicher,
an welchem Platz wir diese finden würden. Zunächst
trafen wir also am frühen Morgen unsere Kontaktmänner
aus dem entfernt liegenden Distrikt, die uns auf der Reise
begleiteten. Mit 2 Landrovern ging es Stadtauswärts,
wo wir auf ein drittes Fahrzeug stießen, welches
einen ortskundigen Scout aufnahm, der in direktem Kontakt
mit der von uns gesuchten Nomadensippe stand. Unwegsames
Gelände lang vor uns ohne Allradantrieb wären
wir schon nach 5 Minuten kaum weiter gekommen. Immer wieder
heilten wir an, um am Wegesrand nach unserer Nomadensippe
zu fragen. Immer wieder konnte man annehmen, wir hätten
den falschen Weg eingeschlagen. Wege waren kaum mehr erkennbar
und dann plötzlich nach gut 2 Stunden Fahrt kam eine
Herde Schafe und Ziegen über einen Hügel und
bald darauf ein erstes Dromedar. Unsicher, ob es die von
uns erwartete Sippe war, hielten wir unsere Fahrzeuge
an und machten uns zu Fuß auf den Weg, um der Sippe
entgegenzugehen. So, wie sie aber gekommen waren, waren
sie auch sofort wieder verschwunden, bis sie erneut hinter
einem anderen Hügel hervorkamen. Unsere Fahrzeuge
hätten an dieser Stelle auch nicht weitergekonnt,
der Weg war zu Ende und nur unwegsames Gelände lag
vor uns. Nach wenigen Minuten hatten wir den Hügel
erklommen und standen vor einer großen Gruppe Dromedaren,
die mit Zelten und Säcken, also dem ganzen Hausstand
beladen waren. 3 Muttertiere mit jeweils 1 Jungdromedar
von 6 Monaten, 6 Heranwachsende, und einige ältere
Einzeltiere traten uns entgegen. Unsere Gewährsleute
trafen dann auf den Sippenältesten, Azizollah Filebandi,
vom Stamme der Kashkulis, die nach etwa 500 Km Fußmarsch
noch rund 30 Kilometer bis zum endgültigen Sommerlager
im Zagros zu laufen hatten. Wir wurden herzlich begrüßt
und dann stellte uns Azizolah LISA vor, ein
16 Monate altes weibliches Dromedar, welches uns aber
gar nicht akzeptierte, warum auch, kannte sie doch wohl
den Geruch von uns Europäern nicht. Nach einigen
Verhandlungen und unserer Begründung, warum wir ein
Dromedar kaufen wollten, waren wir uns handelseinig. Ein
großer Betrag Rial wechselte den Besitzer
ein Dromedar ebenfalls.
Was tun mit dem neu erstandenen Dromedar mit LISA
? war die Frage. Wir hatten die Möglichkeit, Lisa
zu übernehmen und in einem Dorf zu halten und zu
pflegen, oder aber dem ehemaligen Besitzer zu treuen Händen
zu übergeben, sozusagen in Pflege. Natürlich
wurden wir uns einig so haben wir LISA dann Azizolah wieder
übergeben, damit LISA in gewohnter Umgebung bleiben
kann. Wir werden LISA jährlich 1-2 mal besuchen und
für Futter und Betreuung unseren Obolus bezahlen,
um so der Sippe von Azizolah ein besseres Auskommen zu
ermöglichen. MOHN A LISA MOHN FÜR LISA
war das Schlagwort für diesen Anlass. Lisa lebt jetzt
in den Sommermonaten in den Bergen des ZAGROS und in den
Wintermonaten im Wintercamp am Golf. Lisa wird durch uns
bereut und wir sind sicher, dass LISA uns viele Jahre
begleiten wird und dadurch der Nomadensippe ein leichteres
Leben möglich wird. Als Freunde sind wir auseinandergegangen
und unsere Sippe verschwand, so wie se gekommen war in
den Weiten des Zagros-Gebirges. Sofern die Zeit reicht,
werden wir Lisa noch in diesem Jahr auf der Sommerweide
noch einmal besuchen.
Nach diesem wohl einmaligen Erlebnis fuhren wir in die
Ebene zurück, um eine Strecke zu fahren, auf der
in diesem Jahr zahlreiche Nomadensippen noch unterwegs
waren. Wir trafen etliche Großfamilien, die mitsamt
ihrer Habe unterwegs waren und die Straße immer
wieder blockierten. Die Wanderung ist selbst für
Nomaden ein hartes Stück Arbeit und kein leichtes
Leben. Der Staub setzt sich in alle Atemwege und nur durch
Tücher geschützt wandern Mensch und Tier einen
beständigen Weg. In den weiten Tälern, die von
der Straße aus zu sehen waren, konnten wir auch
die ersten Zeltansammlungen sehen, aber weit weniger zelte
als im vergangenen Jahr die zeit war noch zu früh,
die Sippen waren noch unterwegs. Nach weiteren 3 Stunden
Fahrt durch unwegsames Berggelände, hinauf auf rd.
2.200 m Seehöhe näherten wir uns dann den uns
schon bekannten Regionen, in dem wir innerhalb der Kooperativen
Partnerschaft zahlreiche Frauen mit der Produktion von
FINDLINGEN® des REGENBOGENKNOTEN® beschäftigt
haben.
Der Besuch galt wieder zwei Hautaufgaben:
- Kontrolle der laufenden Produktion.
-Neue FINDLINGE® zu finden
Da wir erst kurz nach dem Nouruz (persisches Neujahrsfest)
waren, konnten wir auf etlichen Knüpfstühlen
nur die Anfänge der neuen Muster sehen und haben
sofort bei einer ganzen Reihe von Teppichen unseren Vermerk
gemacht. Alle auf dieser Tour gefundenen Stücke werden
fertiggestellt und stehen unserer Arbeitsgemeinschaft
dann zur Verfügung. Große Freunde kam an vielen
Orten und in vielen Häusern auf, sind wir dort doch
bereit gute Bekannte und man freut sich über unsere
Aufträge, die einen Teil des Einkommens absichern.
Natürlich ist eine solche Kontrolle auch mit Eingriffen
verbunden, wenn Muster eigenwillig geknüpft oder
nicht unseren Vorstellungen entsprechend gearbeitet werden.
Die ersten 20 FINDLINGE® konnten wir so an diesem
Tag ausfindig machen, die unsere kommende Kollektion bereichern
werden. Erschöpft kamen wir im Basislager an, wo
wir wieder gute Freunde begrüßen durften. Ein
abendliches Fürstenmahl wurde uns bereitet
mehr als wir erwartet hatten. Es ist immer wieder
ein beglückendes Gefühl, mit welcher Herzlichkeit
uns unsere Nomaden empfangen und bewirten. Die Jahreszeit
war noch zu früh und das Wetter zu frisch, um die
besten Sonnenuntergänge zu erleben. Fast schon traditionell
wurden wir wieder zur Nachtjagd eingeladen und fuhren
weit in die nächtliche Landschaft. Plötzlich,
unverhofft, scherte unser Fahrer seinen Wagen in die Landschaft,
weg von der Straße. Nicht ahnend was uns bevorstand,
klammerten wir uns an die Sitze, denn außer großen
Steinen und Gräben war im Nachthimmel nicht auszumachen.
Unverhofft, im Licht von 2 Scheinwerfern unserer Fahrzeuge
sahen wir es einen ausgewachsenen Wolf. Das vorausfahrende
Fahrzeug hatte am Wegesrand eine lauernde Meute von 5
Wölfen gesehen, die wohl schon auf die durchziehenden
Nomaden und ihre Herden gewartet hatten. So verfolgten
und jagten wir den Wolf dann über ½ Stunde,
falsche Munition verhinderte aber den finalen Schuss.
Es wäre DAS Dorfereignis gewesen. Im Scheinwerferlicht
tauchte dann noch ein Fuchs auf, der aber ebenfalls doch
schneller oder schlauer war. So kamen wir nach Mitternacht
in unserer Basislager zurück mussten das Erlebnis
erst ausführlich diskutieren. Schon zur Nacht fertig
die Schlafsäcke waren ausgebreitet, bat uns
unser Gastgeber noch zu einem Nachtmahl, was kaum weniger
als das abendliche Essen war. Voller tiefer Eindrücke
und Erlebnisse fielen wir in den tiefen Schlaf.
09.00 Uhr ein fürstliches Frühstück
Rüstzeug für einen anstrengenden Tag.
Wieder besuchten wir dörfliche Ansammlungen auf dem
Hochplateau und fanden viele weitere Findlinge® der
ganz besonderen ART. In einem Dorf waren wir unvermittelt
von einer fröhlichen Schar junger Frauen umringt,
die wir schon im vorigen Jahr getroffen hatten und die
sich an uns erinnerten. Mitgebrachte Bilder waren das
Gespräch und wir mussten versprechen von den neuen
Fotos bei der nächsten Tour Abzüge mitzubringen.
Die Schönheit der Nomadinnen ist immer wieder verblüffend,
vor allen Dingen dann, wenn sie sich noch in ihrer traditionellen
Kleidung bewegen. Insgesamt haben wir über 100 Knüpfstühle
besichtigt und davon weit mehr als die Hälfte an
FINDLINGEN® für uns reservieren können.
MOHN A LISA MOHN FÜR LISA wird die nächste
Marketing-Kampagne sein, die für den Herbst 2001
vorbereitet wird.
Nach erlebnisreichen Tagen nahmen wir von unseren Nomaden
Abschied und traten am Spätnachmittag die Rückreise
nach Shiraz an. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in
Shiraz machten wir eine Visite in der Färberei, wo
wir ebenfalls wieder nach dem richtigen Fortgang Ausschau
hielten. Spätnachmittags Rückflug nach Teheran
die Maschine war wie immer völlig ausgebucht.
Mit dem Taxi ging es dann zum uns schon bekannten Hotel
und nach einem guten Abendessen kam eine ruhige Nacht
auf uns zu. Der Folgetag war mit intensiver Arbeit im
Basar ausgefüllt. Neue Kontakte, die wir von Deutschland
aus vorbereitet hatten, wurden geknüpft. Neue Kollektionen
mit Nomaden-Teppichen aus den Gebieten der BACHTIAREN/AFSAHREN
wurden besprochen und erste Stücke begutachtet. Ebenfalls
BIDJAR Teppiche in Qualitäten und Farben,
die mit den uns bekannten Bidjar-Teppichen nichts mehr
zu tun haben fanden unsere Begeisterung. Isfahan-Teppiche
als weitere Provinenz füllten unser Herz dann vollends.
Wir haben gute Kontakte knüpfen können und einige
Teppiche in Arbeit gegeben, die den Firmen unserer Arbeitgemeinschaft
dann im Herbst bzw. Frühjahr des kommenden Jahres
zur Verfügung stehen werden. Weitere intensive Kontakte
zu Produzenten/Exporteuren konnten wir in Teheran knüpfen,
die sich in Zukunft sicherlich positiv auswirken werden.
Auf dem Basar in Teheran trafen wir dann unverhofft Kollegen
aus Augsburg, die zum Teppicheinkauf in Teheran waren,
sich unserer Reise aber aus zeitlichen Gründen nicht
anschließen konnten. So gab es herzliche Begrüßungsworte.
Der Rest des Tages war mit einem Besuch des allgemeinen
Basars in Teheran ausgefüllt, wobei der Teheraner
Basar nur mit starken Nerven und gutem Willen besucht
werden kann. Gut dass wir unser Hotel in Farsi-Schrift
vorzeigen konnten, der Taxifahrer hätte kaum gewusst,
wohin er hätte fahren sollen.
Der letzte Tag unseres Aufenthaltes in Teheran war angefüllt
mit dem Besuch des Lagers und der Wäscherei. Im Lager
unseres Partners ZOLLANVARI durchschauten
wir die für uns vorproduzierten FINDLINGE® und
konnten auch die ersten Stücke der neuen Qualität
BABAHALI® bewundern, die uns für
die neue Kollektion 2001 zur Verfügung stehen werden.
Der allgemeine Niedergang der Qualitäten, die unter
der Bezeichnung GABBEH auf dem Markt sind, war für
uns Veranlassung, noch intensiver über unsere Qualität
KARIMHALI® zu diskutieren und diese noch
weiter zu verbessern. Absolutes Spitzenprodukt ist jedoch
unsere Qualität JANIHALI© die sich
immer steigenderer Beliebtheit erfreut. Hier sind der
Individualität Tür und Tor geöffnet und
es macht Spaß, sich damit zu beschäftigen.
Neben der neuen Qualität JANIHALI®
war die Weiterentwicklung unserer Qualität SUSAHALI©
ein besondere Augenweide. Völlig überrascht
waren wir von neuen Teppichen aus der Kerman-Province,
die unter der Bezeichnung MANIHALI© zukünftig
unser Angebot bereichern werden. Ursprüngliche Wolle
der Region unter Kontrolle und mit Pflanzenfarben gefärbt
sind der Beweis, dass in kooperativer Partnerschaft auch
heute noch neue, unserem Geschmack entsprechende Teppiche
entstehen können. Der letzte Punkt unserer Kontrollreise
fand dann in der Wäscherei den Höhepunkt, wo
wir eine strenge Kontrolle vornehmen konnten. Die Vorgaben
werden eingehalten und so ist sichergestellt, dass durch
neue Maschinen und Aggregate eine schonende Wäsche
ermöglicht wird, die ein optimales Ergebnis bringt.
Fazit der Reise:
Die Arbeit der Internationalen Arbeitsgemeinschaft CONSULAT
DES TEPPICHS® trägt mit dazu bei, dass
vielen Nomadensippen, ob wandernd oder sesshaft, heute
ein einigermaßen sicheres Einkommen gegeben ist.
Dafür entschädigen sie uns mit immer neuen,
hervorragenden Produkten und stellen unter Beweis, dass
die menschliche Gabe der Fantasie Kunsthandwerke besonderer
ART hervorbringt, die wir nicht auf dem Markt der allgemeinen
Vermassung opfern dürfen. Wir haben unseren Nomaden
erneut versprochen, uns um eine gerechte und verlässliche
Produktion zu bemühen und ihnen dadurch eine sichere
Zukunft zu geben. Unserer wandernden Familie Filebandi,
die jetzt mit LISA in den Bergen des Zagros unterwegs
ist, wünschen wir eine lange und andauernde gute
Zukunft, bei der wir sie nach Kräften unterstützten
werden.